Friedhof Arbergen
Friedhof Arbergen

Pietät und Würde

 

 

 

Friedhöfe sind auch Orte der Entspannung,

 

Orte der Begegnung, auch Orte der Freude

 

und Orte unseres Lebens,

 

aber alles pietätvoll und in Würde,

 

des spezifischen Ortes entsprechend.

 

 

 

Jüngere Mitmenschen haben „Pietät und Würde“

 

noch nicht in ihrem Wortschatz aufgenommen,

 

bei ihnen geht es vorrangig um

 

„Fun haben und um Flatmobs, usw.“.

 

Erst später in ihrem Leben beginnen sie

 

eine Sensibilität auch für diesen speziellen Ort, dem Friedhof,

 

zu entwickeln.

 

Wir, die Erwachsenen,

 

haben unsere Kinder

 

und auch unsere Enkelkinder

 

auf diesem Weg zu begleiten,

 

zu lenken und zu unterstützen.

 

 

 

Wenn wir diese Aufgabe vernachlässigen,

 

kommt es dann zu den Ereignissen,

 

wie in der Bremer Tageszeitung beschrieben.

 

 

 

Also, helfen wir mit,

 

aus unseren Kindern

 

und unseren Enkelkindern,

 

selbstbewusste, verantwortungsbewusste

 

und mündige Bürger

 

unseres Gemeinwesens zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedhof Bremen-Buntentor
Friedhof Bremen-Buntentor
Friedhof Bremen-Buntentor
Friedhof Bremen-Buntentor

 

Gefunden im Weserkurier,

 

Ausgabe 20.06.2009

 

 

Gräber hinter Graffiti-Mauern
Würdevolles Gedenken und Trauern ist selbst auf Friedhöfen oft nicht möglich / Fußballspiel auf Urnenfeldern

 

Von Rose Gerdts-Schiffler Bremen.

 

 Seit knapp 200 Jahren finden Menschen auf dem kleinen Friedhof im Buntentor ihre letzte Ruhe. "Alt" ist die Begräbnisstätte inmitten der eng bebauten Wohnstraßen, aber der Zusatz "ehrwürdig" würde wohl niemandem zu dem drei Hektar kleinen Ort der Besinnung einfallen. Die maroden Mauern sind verdreckt und mit Graffiti zugeschmiert. Tod und Trauer, so scheint es, finden auch andernorts immer seltener einen würdigen Rahmen.
Alexander Bender ist Gärtnermeister auf dem Friedhof in Huckelriede. Das Areal grenzt auf der einen Seite an den Werdersee, auf der anderen an die Habenhauser Landstraße. Ideal für manche Hundebesitzer. "Die Hunde flitzen hier über die Gräber oder erledigen vor den Grabsteinen ihre Geschäfte", erzählt Bender. Nicht alle Mitarbeiter würden sich trauen, die Hundebesitzer auf ihr Verhalten anzusprechen. "Vor allem, wenn die groß und kräftig sind, überlegt sich das mancher zweimal." Der Tod gehört zum Leben - ein vielzitierter Allgemeinplatz, der deswegen nichts von seiner Wahrheit einbüßt. Aber ist die Grenze nicht klar überschritten, wenn lachende, johlende Kinder auf dem anonymen Urnenfeld in Huckelriede Fußball spielen? Der Gärtnermeister zumindest hat keinerlei Verständnis dafür, wenn manche Anwohner ihre Kinder zum Spielen zwischen die Gräber schicken.

Respektlos empfinden es viele auch, wenn zwischen den Kreuzen bei Sonnenschein die Decken ausgerollt, der Grill herausgeholt wird oder gar bei manchen Sonnenbadenden die Hüllen fallen. "Die Friedhöfe sind voller Leben", weiß Steffen Kunkel, Leiter der städtischen Friedhöfe in Bremen, und steht dieser Betrachtung durchaus ambivalent gegenüber. Denn, wo endet die sympathische Unbefangenheit gegenüber der Endlichkeit und wo fängt die Pietätlosigkeit an?
"Finden wir, dass Jogger und Nordic-Walker die Friedhöfe für ihren Sport nutzen dürfen? Und, wenn ja, was ist dann mit jungen Skatern?" fragt Kunkel. Nicht immer sind die Grenzziehungen so einfach wie vor einiger Zeit auf dem Osterholzer Friedhof. Dort bewegte sich ein Trauerzug hinter dem Sarg langsam auf dem Hauptweg entlang, als der Pastor und die Angehörigen plötzlich von einem klingelnden Radfahrer hinter ihnen aufgeschreckt wurden.
Die Szene macht Pastor Hans-Günter Sanders von der Zionsgemeinde noch immer wütend. "Der Mann hatte überhaupt kein Gespür für diesen Moment." Im Gegensatz dazu ist ihm eine Beerdigung in Fischerhude als geradezu wohltuend in Erinnerung geblieben. "Als der Trauerzug die Straße überquerte, hielten die Autofahrer ihre Fahrzeuge an, stellten den Motor aus und stiegen aus."
Seit Kurzem besitzt die Zionsgemeinde eine Gruft für Urnenbeisetzungen auf dem kleinen Friedhof im Buntentorviertel. Leben, Wohnen, Trauern liegen hier auf dem baumbestandenen Areal zwischen Buntentorsteinweg und Kornstraße nahe beieinander.

Statt den Tod an den Rand der Stadt zu verdrängen, hat er hier mittendrin seinen Platz. Von jedem Grab aus sehen die Trauernden auf Balkone und Gärten angrenzender Häuser.

"Eigentlich ideal, solche kleinen, wohnortnahen Friedhöfe", findet Steffen Kunkel. Bremen besitzt gleich mehrere davon. In Hemelingen, Hastedt, Gröpelingen oder Woltmershausen muss man nicht weit gehen, um seine Verstorbenen am Grab zu besuchen.

Doch was im Buntentor ein Kleinod sein könnte, wirkt seit Jahren von außen völlig heruntergekommen.

Als "würdelos" bezeichnen viele Anwohner die Tatsache, dass "Stadtgrün" die Mauer den Sprayern überlassen habe.
"Ich würde auch gern mehr tun, aber woher sollen wir das Geld nehmen?",

sagt Gärtnermeister Bender bedauernd. So wird zwar die marode Mauer in der Kornstraße zurzeit saniert, aber ob Geld für Farbe übrig bleibt, ist fraglich.
Damit will sich die Zionsgemeinde nicht abfinden. Hans-Günter Sanders schwebt ein Bündnis zwischen Ortsamt, Stadtgrün, einem Maler aus dem Stadtteil und den Jugendlichen aus der Gemeinde vor.

Der rührige Pastor möchte mit der Aktion dem Ort seine besondere Würde,

den Trauernden "den ihnen gebührenden Respekt" wieder zurückgeben.

Zwei, drei Kollekten aus den umliegenden Kirchengemeinden und ein paar Spenden, so schätzt Sanders, könnten reichen, um dem Friedhof von außen wieder ein anderes Gesicht zu geben.

Sollten Sprayer die Mauern wieder besprühen, könnten Konfirmanden oder jugendliche Paten aus der Gemeinde die Graffiti sofort wieder übermalen.

"Das muss sofort geschehen, damit klar ist, dass wir das nicht dulden", sagt Sanders. Ganz ähnlich würde die Zionsgemeinde auch mit Schmierereien an ihrer Kirche umgehen.
Die Idee der Mauer-Patenschaft trifft überall auf Zustimmung. "Eine solche Initiative würden wir sofort unterstützen", betont der Leiter der städtischen Friedhöfe, Steffen Kunkel.

Auch Ortsamtsleiter Klaus-Peter Fischer findet die Idee " spannend".

Handele es sich um ein einmaliges Projekt, sei es für den Beirat zudem leichter, eine kleine Summe auf Antrag zur Verfügung zu stellen.

Der Pastor zumindest ist entschlossen, etwas zu ändern: "Wo würden wir landen, wenn wir keinen würdigen Ort mehr hätten zu trauern?"

 

 

 


© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verdener Nachrichten Seite: 9 Datum: 20.06.2009